111 Fakten über Ahnenforschung, die du vielleicht noch nicht kanntest

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Wusstest du, dass ein und dieselbe Person mehrfach im eigenen Stammbaum auftauchen kann? Oder dass viele Kirchenbücher über Jahrhunderte hinweg auf Latein geführt wurden? Rund um die Ahnenforschung gibt es erstaunlich viele Fakten, die selbst erfahrene Familienforscher überraschen können.

In diesem Artikel habe ich 111 Fakten gesammelt, die mir im Laufe meiner eigenen Ahnenforschung begegnet sind – beim Entziffern alter Kirchenbücher, bei der Recherche für meinen Blog oder bei der Suche nach meinen eigenen Vorfahren. Vielleicht kennst du einige davon bereits. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass auch die eine oder andere Überraschung für dich dabei ist.

Alte Schriften & Geschichte der Ahnenforschung

  1. Die Handschrift, in der ein Großteil der deutschen Kirchenbücher geschrieben wurde, heißt Kurrent. Ihr Name leitet sich vom lateinischen currere („laufen“ oder „fließen“) ab.
  2. Ein kleines n und ein kleines u sehen sich in der Kurrentschrift zum Verwechseln ähnlich. Auch i und e oder ß und tz sorgen regelmäßig für Fehlinterpretationen.
  3. Die Kurrentschrift kannte zwei verschiedene Formen des Buchstabens s: das lange s innerhalb eines Wortes und das runde s am Wortende.
  4. Ludwig Sütterlin entwickelte die nach ihm benannte Schrift bereits 1911 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums. Ab 1915 wurde sie nach und nach als Schulschrift eingeführt. (Quelle)
  5. Im Jahr 1941 wurden Kurrent und Sütterlin durch einen Erlass der Nationalsozialisten im Schulunterricht abgeschafft und durch die lateinische Schrift ersetzt. (Quelle)
  6. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert fielen den europäischen Hexenverfolgungen schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen zum Opfer. Rund 80 Prozent der Hingerichteten waren Frauen. (Quelle)
  7. Besonders gefährdet waren Menschen, die heilkundliches Wissen besaßen – darunter Hebammen und Kräuterkundige.
  8. Vor der Einführung der Standesämter wurden Geburten, Heiraten und Sterbefälle fast ausschließlich in Kirchenbüchern dokumentiert. (Quelle)
  9. Die flächendeckende Einführung der Standesämter im Deutschen Reich erfolgte erst 1876. Für Ahnenforscher markiert dieses Jahr bis heute einen wichtigen Einschnitt. (Quelle)
  10. In kleinen Dörfern heirateten Familien häufig untereinander, weshalb dieselbe Person mehrfach im Stammbaum erscheinen kann. Dieses Phänomen nennt man Ahnenschwund.
  11. Besonders ausgeprägt war der Ahnenschwund im europäischen Hochadel, wo Heiraten innerhalb der Verwandtschaft über Jahrhunderte üblich waren.
  12. Der historische Bader kombinierte die Leitung des Badehauses mit dem Friseurhandwerk und der medizinischen Grundversorgung wie der Wundpflege oder dem Zähneziehen. (Quelle)
  13. Einige Pfarreien führten für unehelich geborene Kinder eigene Register. In einzelnen Regionen trugen diese Bezeichnungen wie „Taufbuch illegitimer Kinder“.
  14. Die Morgengabe war weit mehr als ein romantisches Hochzeitsgeschenk. Sie stellte häufig eine rechtlich abgesicherte Versorgung der Ehefrau für den Fall der Verwitwung dar. (Quelle)
  15. Starb ein Ehemann früh, konnte sein Bruder in manchen Kulturen oder Regionen die Witwe heiraten, um Familie und Besitz zusammenzuhalten. Diese Form der Ehe wird Levirat genannt.
  16. Der Hausname war fest an das Gebäude gebunden, sodass jeder nachfolgende Eigentümer diesen Namen als alltäglichen Rufnamen im Dorf übernahm. (Quelle)
  17. Ein Postillion lenkte nicht nur die Postkutsche, sondern transportierte gleichzeitig Nachrichten und wichtige Dokumente. Damit gehörte er zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln seiner Zeit. (Quelle)
  18. Wer im Kirchenbuch als Söldner bezeichnet wird, war meist kein Berufssoldat. Der Begriff stand häufig für einen Kleinbauern mit wenig eigenem Grundbesitz. (Quelle)
  19. Eine Aussteuer bestand früher nicht nur aus Wäsche und Geschirr. Je nach Vermögen konnten auch Möbel, Vieh oder sogar Grundstücke dazugehören.
  20. In vielen katholischen Regionen benötigten nahe Verwandte eine kirchliche Sondergenehmigung, um heiraten zu dürfen. Diese Ausnahmegenehmigung nennt man Heiratsdispens. (Quelle)
  21. Der älteste genetisch nachgewiesene Stammbaum Europas stammt aus der Lichtensteinhöhle im Harz. DNA-Analysen konnten dort Verbindungen zwischen etwa 3.000 Jahre alten Skeletten und heute lebenden Menschen aus derselben Region nachweisen. (Quelle)
  22. In der Genealogie haben sich bis heute einige Symbole etabliert: Ein Stern (*) steht für die Geburt, ein Kreuz († oder +) für den Tod und zwei ineinander gesetzte Ringe oder „oo“ häufig für eine Eheschließung. (Quelle)
  23. Familiennamen wurden über Jahrhunderte oft nach Gehör geschrieben. Deshalb können ein und dieselbe Person in verschiedenen Dokumenten als Schmidt, Schmitt, Schmid oder Schmied auftauchen.
  24. Viele scheinbare Fehler in Kirchenbüchern sind gar keine Fehler. Pfarrer schrieben Namen häufig so auf, wie sie sie verstanden – feste Rechtschreibregeln gab es damals noch nicht.

Die Mathematik der Ahnentafel

Auf den ersten Blick scheint Ahnenforschung nur aus Namen und Daten zu bestehen. Doch hinter jeder Ahnentafel steckt auch erstaunlich viel Mathematik.

  1. Rein rechnerisch verdoppelt sich die Zahl deiner direkten Vorfahren mit jeder Generation: 2 Eltern, 4 Großeltern, 8 Urgroßeltern und so weiter.
  2. Zwölf Generationen zurück hättest du theoretisch bereits 4.096 direkte Vorfahren. (Quelle)
  3. In Wirklichkeit ist die Zahl deutlich kleiner. Der Grund ist der sogenannte Ahnenschwund: Dieselben Personen erscheinen durch verwandtschaftliche Verbindungen mehrfach im Stammbaum. (Quelle)
  4. Ahnenschwund ist nichts Ungewöhnliches. In ländlichen Regionen, kleinen Dörfern oder abgelegenen Tälern war er über Jahrhunderte hinweg völlig normal.
  5. Je weiter du zurückgehst, desto stärker überschneiden sich Ahnenlinien. Deshalb ist fast jeder Mensch mit sehr vielen anderen Menschen verwandt – wenn auch oft nur sehr entfernt.
  6. Viele Genealogen rechnen mit einer durchschnittlichen Generationenlänge von etwa 25 bis 30 Jahren.
  7. Ein historisches Pfund war keineswegs überall gleich schwer. Je nach Region konnte es zwischen etwa 467 und 560 Gramm wiegen.
  8. Auch ein Zentner bedeutete früher nicht automatisch 100 Kilogramm. Lange Zeit entsprach er ungefähr 50 Kilogramm, bevor das metrische System eingeführt wurde.
  9. Ein Morgen war ursprünglich keine feste Flächeneinheit. Er bezeichnete die Fläche, die ein Bauer an einem Vormittag pflügen konnte – abhängig von Boden und Zugtieren.
  10. Ein Fuder war ein historisches Flüssigkeitsmaß für Wein oder Bier. Sein Fassungsvermögen schwankte regional erheblich und konnte zwischen etwa 900 und 1.500 Litern liegen.
  11. Mitochondriale DNA wird ausschließlich über die Mutter vererbt. Deshalb lässt sich mit ihr die direkte mütterliche Linie über viele Generationen hinweg untersuchen.
  12. Das Y-Chromosom wird nahezu unverändert vom Vater an den Sohn weitergegeben und eignet sich deshalb besonders zur Erforschung der väterlichen Linie.
  13. Moderne DNA-Tests vergleichen Hunderttausende genetische Marker miteinander und können dadurch Hinweise auf gemeinsame Vorfahren liefern.
  14. Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass etwa zehn Prozent aller Kinder nicht vom rechtlichen Vater abstammen. Neuere genealogische DNA-Studien sprechen jedoch eher für einen durchschnittlichen Wert von rund einem Prozent, wobei es regionale und soziale Unterschiede gab. (Quelle)
  15. In dicht besiedelten und ärmeren Stadtvierteln des 19. Jahrhunderts lagen diese Werte teilweise deutlich höher als auf dem Land.
  16. Schon wenige Generationen können einen erstaunlich großen Stammbaum ergeben. Deshalb verlieren viele Anfänger ohne ein gutes Ahnenprogramm oder eine saubere Dokumentation schnell den Überblick.
  17. Nicht jede theoretische Ahnenlinie lässt sich tatsächlich erforschen. Fehlende Kirchenbücher, Kriege, Brände oder verlorene Archive setzen der Forschung manchmal enge Grenzen.
  18. Gleichzeitig werden jedes Jahr Millionen historischer Dokumente digitalisiert. Dadurch öffnen sich immer wieder neue Forschungswege, die vor wenigen Jahren noch unmöglich gewesen wären.
  19. Die meisten genealogischen Programme berechnen Verwandtschaftsgrade, Ahnennummern und Familienbeziehungen heute automatisch. Das spart viel Zeit – ersetzt aber niemals die sorgfältige Quellenprüfung.

Historische Begriffe in der Ahnenforschung einfach erklärt

Früher wurde nicht nur anders geschrieben, sondern auch anders gesprochen. Lateinische Begriffe, alte Berufsbezeichnungen und wechselnde Schreibweisen gehören deshalb zum Alltag der Ahnenforschung.

  1. Schon die alten Römer sagten: „Mater semper certa est, pater semper incertus est.“: Die Mutter ist immer sicher, der Vater nicht. Deshalb gilt die mütterliche Abstammung historisch als die eindeutig belegbare Linie.
  2. In lateinischen Kirchenbucheinträgen bezeichnet Obiit schlicht den Tod einer Person.
  3. Das lateinische Wort Obstetrix bedeutet Hebamme.
  4. Eine unverheiratete Frau wurde in vielen Kirchenbüchern als Virgo bezeichnet.
  5. Das Wort Uxor bedeutet Ehefrau, während Maritus den Ehemann bezeichnet. (Quelle)
  6. Der Begriff Infans oder Infant steht in alten Kirchenbüchern meist für einen Säugling oder ein kleines Kind.
  7. Viele Kirchenbücher wurden über Jahrhunderte vollständig auf Latein geführt. Selbst deutsche Pfarrer verwendeten dabei lateinische Begriffe für Personen, Berufe und Lebensereignisse.
  8. Der Nachname Andersen bedeutet wörtlich „Sohn des Anders“. Solche vom Vater abgeleiteten Familiennamen nennt man Patronyme.
  9. Wesentlich seltener sind Matronyme. Nachnamen, die sich vom Vornamen der Mutter ableiten.
  10. In Skandinavien änderten sich Patronyme früher mit jeder Generation. Aus dem Sohn von Anders wurde beispielsweise Andersson, dessen Sohn erhielt wiederum einen völlig anderen Nachnamen.
  11. Familiennamen waren früher alles andere als einheitlich. Dieselbe Person konnte in verschiedenen Dokumenten als Schmidt, Schmitt, Schmid oder Schmied erscheinen.
  12. Auch Vornamen wechselten häufig ihre Schreibweise. Aus Katharina wurde Catharina, aus Elisabeth Elisabetha oder Elise. Je nach Pfarrer und Region.
  13. Viele Nachnamen verraten bis heute den Beruf eines Vorfahren. Beispiele sind Müller, Schmidt, Wagner oder Schneider.
  14. Andere Familiennamen weisen auf die Herkunft hin. Namen wie Bayer, Böhm oder Schweizer entstanden häufig, weil ein Mensch aus einer anderen Region zugezogen war.
  15. Wieder andere Nachnamen beschreiben persönliche Merkmale. Klein, Lang oder Schwarz gehörten ursprünglich zu den sogenannten Übernamen.
  16. Das Wort Vetter bezeichnete früher oft nicht nur den Cousin, sondern konnte für verschiedene männliche Verwandte verwendet werden. (Quelle)
  17. Ein Gevatter war ursprünglich der Taufpate eines Kindes. Zwischen den Familien entstand dadurch häufig eine lebenslange enge Verbindung. (Quelle)
  18. Alte Berufsbezeichnungen wirken heute oft irreführend. Ein Söldner war vielerorts kein Soldat, sondern ein Kleinbauer mit wenig Landbesitz.
  19. Auch der Begriff Bader hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute. Er vereinte Aufgaben eines Friseurs, Wundarztes und Badehausbetreibers.
  20. Wer alte Dokumente liest, begegnet immer wieder regionalen Dialekten und Schreibweisen. Gerade deshalb lohnt es sich, Namen nie nur in einer einzigen Schreibweise zu suchen.

Ahnenforschung, Familiengeschichte & Psychologie

Wer sich intensiv mit seiner Familiengeschichte auseinandersetzt, entdeckt oft auch Muster, Fragen und Zusammenhänge, die weit über einen Stammbaum hinausgehen.

  1. Familiengeschichte besteht nicht nur aus Geburts- und Sterbedaten. Hinter jedem Namen steckt ein Mensch mit Hoffnungen, Ängsten, Träumen und ganz persönlichen Lebensumständen.
  2. Viele Menschen beginnen mit der Ahnenforschung aus Neugier und merken erst später, dass sie dadurch auch ihre eigene Geschichte besser verstehen.
  3. Manche Familien sprechen offen über ihre Vergangenheit, andere schweigen über Generationen hinweg. Gerade dieses Schweigen kann Ahnenforscher neugierig machen.
  4. Briefe, Tagebücher oder alte Fotografien erzählen oft mehr über einen Menschen als jede noch so vollständige Ahnentafel.
  5. Studien deuten darauf hin, dass starke Belastungen und traumatische Erlebnisse epigenetische Veränderungen hinterlassen können. Wie stark solche Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden, ist jedoch weiterhin Gegenstand der Forschung. (Quelle)
  6. Auch ohne biologische Vererbung prägen Familiengeschichten die nächsten Generationen. Werte, Gewohnheiten und Lebenserfahrungen werden häufig innerhalb einer Familie weitergegeben. (Quelle)
  7. Viele Ahnenforscher berichten, dass sie nach intensiver Recherche ihre Vorfahren nicht mehr nur als Namen auf Papier sehen, sondern als Menschen mit ganz eigenen Lebensgeschichten.
  8. Besonders die Lebenswege der Frauen bleiben in historischen Quellen oft im Hintergrund. Umso spannender ist es, ihre Geschichten zwischen den Zeilen wieder sichtbar zu machen.
  9. Alte Familienfotos lösen häufig Erinnerungen aus, die in keiner Urkunde zu finden sind. Deshalb lohnt es sich, ältere Verwandte nach den Geschichten hinter den Bildern zu fragen.
  10. Manchmal führt gerade ein kleines Detail – ein Beruf, ein Hausname oder ein ungewöhnlicher Vorname – zu völlig neuen Erkenntnissen über eine Familie.
  11. Ahnenforschung verbindet Geschichte mit Gegenwart. Wer versteht, unter welchen Bedingungen seine Vorfahren gelebt haben, blickt oft auch mit anderen Augen auf das eigene Leben.

Mythen über die Ahnenforschung

Rund um die Ahnenforschung kursieren viele Behauptungen, die sich hartnäckig halten. Manche stimmen teilweise, andere gehören eindeutig ins Reich der Mythen.

  1. Einer der häufigsten Irrtümer lautet: „Heute ist doch alles online.“ Tatsächlich sind viele Kirchenbücher, Gerichtsakten und Grundbücher bis heute nicht digitalisiert.
  2. Ahnenforschung ist längst kein Hobby mehr, das ausschließlich von Seniorinnen und Senioren betrieben wird. Immer mehr jüngere Menschen interessieren sich für ihre Familiengeschichte.
  3. Kirchenbücher sind unschätzbar wertvolle Quellen – aber sie sind nicht unfehlbar. Auch Pfarrer machten Schreibfehler oder trugen Informationen erst Tage später ein.
  4. Viele glauben, ihre Familie habe schon immer im selben Ort gelebt. Tatsächlich waren unsere Vorfahren oft deutlich mobiler, als man vermuten würde.
  5. Für den Einstieg braucht es weder teure Software noch kostenpflichtige Datenbanken. Ein Gespräch mit der eigenen Familie und kostenlose Angebote wie FamilySearch reichen oft aus, um die ersten Generationen zu erforschen.
  6. Ahnenforschung ist kein Wettlauf darum, möglichst weit in die Vergangenheit zu gelangen. Oft erzählen die letzten fünf Generationen mehr über eine Familie als eine lückenhafte Linie bis ins Mittelalter.
  7. Regelmäßige kleine Rechercheeinheiten bringen meist mehr als stundenlange Suchaktionen einmal im Jahr. Schon wenige Minuten pro Woche können den Stammbaum kontinuierlich wachsen lassen.
  8. Nicht jeder Stammbaum führt zu Adel oder berühmten Persönlichkeiten und genau das macht Familiengeschichte so spannend. Die Geschichten gewöhnlicher Menschen sind oft die interessantesten.

Die Welt der Ahnenforschung

Ahnenforschung verbindet heute Menschen auf der ganzen Welt. Dank digitaler Archive, ehrenamtlicher Projekte und einer engagierten Community ist die Familienforschung heute einfacher als jemals zuvor – auch wenn längst noch nicht alles online verfügbar ist.

  1. FamilySearch gehört zu den größten genealogischen Plattformen der Welt. Dort arbeiten Freiwillige seit Jahrzehnten daran, historische Dokumente zu digitalisieren und für die Forschung zugänglich zu machen. (Quelle)
  2. Der gemeinsame Stammbaum von FamilySearch umfasst inzwischen weit über eine Milliarde Personen und wächst täglich weiter.
  3. Jedes Jahr werden Millionen weiterer Kirchenbücher, Standesamtsregister und historische Dokumente digitalisiert.
  4. Hinter vielen frei zugänglichen Datenbanken stehen Tausende Ehrenamtliche, die Kirchenbücher entziffern, Namen erfassen und Register erstellen.
  5. WikiTree verfolgt das Ziel, einen einzigen gemeinsamen, kostenlosen Stammbaum der Menschheit aufzubauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen arbeiten die Nutzer gemeinsam an einem einzigen Familienbaum statt an vielen voneinander getrennten Stammbäumen.
  6. Bei WikiTree müssen Änderungen an bereits bestehenden Profilen nachvollziehbar dokumentiert werden. Ziel ist es, den gemeinsamen Stammbaum möglichst gut mit Quellen zu belegen und Dubletten zu vermeiden.
  7. Auch im deutschsprachigen Raum engagieren sich zahlreiche Freiwillige im Verein für Computergenealogie (CompGen), um historische Quellen zu erschließen.
  8. Die größte Genealogie-Konferenz der Welt heißt RootsTech. Seit einigen Jahren können viele Vorträge kostenlos online verfolgt werden.
  9. Während der Corona-Pandemie entwickelte sich RootsTech zu einer weltweiten Online-Veranstaltung mit Teilnehmern aus Hunderten Ländern.
  10. Seit 2021 gibt es mit der Genealogica auch ein deutschsprachiges Online-Festival rund um die Familienforschung.
  11. Genealogie ist kein Konkurrenzdenken. Viele Forscher helfen sich gegenseitig beim Entziffern alter Handschriften oder beim Lösen schwieriger Familienrätsel.
  12. Ein wichtiger Begriff der modernen Genealogie ist der FAN-Club. Das Kürzel steht für Friends, Associates und Neighbors – also Freunde, Bekannte und Nachbarn. Oft führen genau diese Personen zur entscheidenden Spur. (Quelle)
  13. Wer bei einem Vorfahren nicht weiterkommt, sollte deshalb auch Taufpaten, Trauzeugen, Nachbarn oder Arbeitskollegen untersuchen. Häufig tauchen sie gemeinsam in historischen Quellen auf.
  14. In der deutschsprachigen Genealogie gibt es eine kleine, aber sehr engagierte Bloggerszene. Viele Blogger teilen ihre Forschungsergebnisse, Erfahrungen und Tipps kostenlos.
  15. Blogparaden sind auch in der Ahnenforschung beliebt. Mehrere Blogger schreiben dabei gleichzeitig über ein gemeinsames Thema und verlinken ihre Beiträge miteinander.
  16. Viele Archive stellen heute nicht nur Digitalisate zur Verfügung, sondern bieten zusätzlich Online-Findbücher an. Dadurch lässt sich oft schon vor einem Archivbesuch feststellen, ob sich eine Reise überhaupt lohnt.
  17. Trotz aller Digitalisierung führt an einem Archivbesuch manchmal kein Weg vorbei. Nicht jede Quelle wurde bereits digitalisiert oder darf aus Datenschutzgründen online veröffentlicht werden.
  18. Ahnenforschung ist ein Hobby, bei dem man nie wirklich fertig wird. Mit jeder Generation, jedem neu digitalisierten Kirchenbuch und jeder neu entdeckten Quelle eröffnen sich weitere Möglichkeiten.

Fakten aus meiner Forschung und dem Blog

  1. Ich forsche seit 2007 an meiner eigenen Familiengeschichte – aus reiner Neugier wurde über die Jahre eine echte Leidenschaft.
  2. In einem Taufeintrag aus meiner eigenen Familie stand einmal wörtlich: „Vater laut Mutter: … Ich denke, Vater ist …“ – der Pfarrer hat seine eigene Unsicherheit einfach mit ins Kirchenbuch geschrieben. Der Pfarrer lag übrigens falsch.
  3. Ich bin in meiner eigenen Forschung in Irland schon auf ein Kirchenbuch gestoßen, das offiziell als „Buch der Bastarde (Book of Bastards)“ betitelt war.
  4. Ich beginne meine Ahnenforschung bewusst öfter bei den Frauen meiner Familie – bei den Namen, die sonst als Erste in Vergessenheit geraten.
  5. Wenn ich in Kirchenbüchern blättere, stelle ich mir oft eine ganz bestimmte Frage: Welche Frau in meiner Linie hat irgendwann aufgehört, ihre Stimme zu erheben – und warum?
  6. Gestartet bin ich im März 2024 noch als Ernährungsberaterin für besondere Lebensphasen. Im Mai 2025 habe ich mein Blogthema zur Genealogie gewechselt. Mittlerweile hole ich mir aber auch weitere Themen auf den Blog. Der Kern bleibt die Ahnenforschung – aber ein Blog darf sich genauso weiterentwickeln wie der Mensch, der ihn schreibt.
  7. Bei der Suche nach den Kriegsgräbern meiner Ur- und Großonkel bin ich auf Verwandte gestoßen, von deren Existenz in meiner Familie niemand mehr wusste.
  8. Meine Ururururgroßmutter war gleichzeitig Hebamme, half in der Schmiede ihres Mannes mit und arbeitete zusätzlich auf dem elterlichen Hof. Ein Leben ausschließlich als Hausfrau war für die meisten Frauen meiner Familie keine Realität.
  9. Die bisher traurigste Todesursache, die ich in meinem Stammbaum gefunden habe: Mein Urururururgroßvater starb durch einen Blitzschlag – zusammen mit seinen vier Heuochsen, auf dem Nachhauseweg. Sein einziges Kind, meine direkte Vorfahrin, war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal vier Monate alt. Über genau diese Linie treffe ich übrigens dreimal auf Implex.
  10. Mein Ururururgroßvater war Bader mit einer sogenannten Ehaftsbadergerechtigkeit. Auf dem alten Grundstück steht heute eine Tierklinik.
  11. Trotz Nachfragen bei Standesämtern und Pfarrei fehlt bis heute jeder Eintrag zu Tod oder Beerdigung meiner Ururgroßmutter. Sie gilt, zumindest laut Aktenlage, noch als lebend. Betreffendes Kirchenbuch befindet sich Stand August 2026 noch im Digitalisat.

Welchen Fakt rund um Ahnenforschung habe ich vergessen? Kommentiere gerne!

Von Tina Baier

ÜBER TINA BAIER: Geschichten finden sich überall: in alten Aufzeichnungen, in der Natur und in den kleinen Momenten des Alltags. Auf diesem Blog geht es um Familiengeschichten, achtsames Leben und die vielen Spuren, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden. Mehr über mich erfährst du hier.

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