Das ist mein Beitrag zur Blogparade „Welches Buch hat dein Leben verändert?“ von Melanie Hafner.
Als ich die Fragen zu dieser Blogparade gelesen habe, musste ich nicht lange überlegen. Es gibt ein Buch, das mich in einer besonderen Zeit gefunden hat und meinen Blick auf mich selbst, meine Herkunft und meine eigene Geschichte verändert hat. Natürlich gibt es viele Bücher, die mich inspiriert und begleitet haben. Aber wenn ich eines nennen müsste, das den größten Einfluss auf meinen Weg hatte, dann ist es dieses.
Hinweis: Die Bücher in diesem Beitrag verlinke ich zu den jeweiligen Verlagsseiten. Dafür erhalte ich kein Geld. Ich stelle sie vor, weil sie mich persönlich begleitet und geprägt haben.
Die Wolfsfrau von Clarissa Pinkola Estés
Dieses Buch habe ich während des Corona-Lockdowns gelesen. Es war eine ungewöhnliche Zeit. Eine Zeit, in der ganz plötzlich vieles stillstand und man sich irgendwann selbst nicht mehr so leicht ausweichen konnte. Die Schulen hatten zu, der damalige Arbeitsplatz auch. Plötzlich war mehr Raum zum Nachdenken, zum Hinterfragen und vielleicht auch dazu, Themen anzuschauen, die vorher im Alltag keinen Platz hatten.
„Die Wolfsfrau“ ist für mich kein Buch, das man einfach einmal liest, zurück in den Schrank stellt und dann wieder vergisst. Es ist eher ein Buch geworden, zu dem ich immer wieder gerne zurückgreife. Manche Kapitel begleiten mich schon über Jahre, weil ich sie mit jedem Lesen anders verstehe.
Clarissa Pinkola Estés schreibt von der „Wilden Frau“ in uns diesem ursprünglichen, instinktiven Teil, der durch Anpassung, Erwartungen und den Wunsch, es allen recht zu machen, manchmal in den Hintergrund gedrängt wird.
Was dieses Buch in mir ausgelöst hat, war nicht nur die Beschäftigung mit der eigenen Weiblichkeit. Es hat mich dazu gebracht, viele Dinge neu zu betrachten: gesellschaftliche Prägungen, Rollenbilder und die Frage, welche Anteile von uns vielleicht nicht wirklich verschwunden sind, sondern nur darauf warten, wiederentdeckt zu werden.
Besonders die Geschichte von Blaubart ist mir aus diesem Buch im Gedächtnis geblieben. Estés erzählt darin eine alte Märchenvariante von einer Frau, die eine verbotene Kammer öffnet und darin die Wahrheit über ihren Mann entdeckt. Was mich daran besonders beschäftigt hat, war nicht nur die Geschichte selbst, sondern die Deutung dahinter: In Estés Deutung steht Blaubart für jene zerstörerische Kraft, die uns von unserer eigenen Wahrnehmung, unserer Intuition und unserer Lebendigkeit entfernt.
Der blutende Schlüssel aus dem Märchen wurde für mich zu einem starken Bild: Es gibt Wahrheiten, die wir irgendwann erkennen, und danach können wir nicht mehr so tun, als hätten wir sie nie gesehen. Genau diese Erkenntnis hat meinen Blick auf mein eigenes Leben verändert.
Diese Geschichte hat mich dazu gebracht, meine eigenen Beziehungen und meine Wahrnehmung neu zu hinterfragen. Rückblickend habe ich viele Muster erkannt, die ich vorher nicht so bewusst wahrgenommen hatte. Ich begann zu verstehen, wie wichtig es ist, der eigenen inneren Stimme zu vertrauen und Warnzeichen ernst zu nehmen.
Diese Erkenntnis war ein wichtiger Schritt auf meinem Weg. Nicht, weil man die Vergangenheit ändern kann, sondern weil man mit diesem Bewusstsein andere Entscheidungen für die Zukunft treffen kann.
Durch dieses Buch entstand auch meine stärkere Verbindung zu Themen wie Natur, alten Geschichten und den weiblichen Linien unserer Familien. Es brachte mich dazu, mich intensiver mit meinen eigenen Ahnen zu beschäftigen. Nicht nur mit Namen und Daten, sondern auch mit den Geschichten dahinter.
Denn Ahnenforschung bedeutet für mich inzwischen mehr als nur Stammbäume zu erstellen. Hinter jedem Namen steht ein Mensch mit Hoffnungen, Ängsten, Entscheidungen und Erfahrungen. Und manchmal lohnt es sich, auch danach zu fragen, was von diesen Geschichten über Generationen hinweg weiterwirkt.
Die Wolfsfrau war für mich ein Buch, das eine Tür geöffnet hat.
Eine Tür zu der Frage: Wer bin ich eigentlich, wenn ich aufhöre die Erwartungen anderer zu erfüllen?
Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die mich bis heute begleitet: Die wilde Frau in uns verschwindet nicht. Sie wartet nur darauf, wieder gehört zu werden.

Die verborgenen Kräfte unserer Ahnen von Christiane Leicher
Ein weiteres Buch, das an diesem Punkt für mich anschließt, ist „Die verborgenen Kräfte unserer Ahnen“ von Christiane Leicher.
Während „Die Wolfsfrau“ stärker den Blick nach innen richtet, lenkt dieses Buch den Blick zurück auf die eigene Herkunft. Es beschäftigt sich mit der Frage, welche Muster, Themen und Erfahrungen innerhalb von Familien weitergegeben werden können.
Für mich war besonders spannend, die eigene Familiengeschichte nicht nur als Sammlung von Jahreszahlen und Orten zu sehen, sondern als etwas Lebendiges. Jede Generation hinterlässt Spuren: manchmal sichtbare, manchmal unsichtbare.
Die Beschäftigung mit den eigenen Ahnen kann dadurch eine ganz neue Tiefe bekommen. Man fragt nicht mehr nur: „Woher komme ich?“, sondern auch: „Was wurde vor mir gelebt, erlebt und vielleicht auch verschwiegen? Welche Geschichten wirken bis heute nach?“
Beide Bücher begleiten mich auf unterschiedliche Weise. Das eine hat mir geholfen, wieder mehr auf meine eigene innere Stimme zu hören. Das andere hat meinen Blick auf meine Herkunft verändert.
Sie haben mir gezeigt, dass wir unsere Vorgeschichte nicht loswerden müssen, um unseren eigenen Weg zu gehen. Wir dürfen verstehen, woher wir kommen – und trotzdem entscheiden, wohin wir gehen.
ÜBER MICH: Familiengeschichten hinterlassen Spuren: in alten Dokumenten, Kirchenbüchern und Archiven, aber auch in uns selbst. Seit 2007 folge ich diesen Spuren und was als Neugier begann, wurde zur Leidenschaft und führte schließlich zur Erkenntnis: Hinter jedem Namen steckt weit mehr als ein Datum. Auf diesem Blog verbinde ich klassische Ahnenforschung mit psychologischem Tiefgang und altem Wissen. Für alle die nicht nur wissen wollen wer ihre Vorfahren waren, sondern auch was diese ihnen mitgegeben haben.
Mehr über mich erfährst du hier.