„Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!“
Kein Satz aus der Weltgeschichte wird wohl so häufig zitiert wie dieser. Und schon seit Jahrhunderten wird er Marie-Antoinette zugeschrieben. Das Problem mit diesem Satz: Sie hat diesen Satz nie gesagt. Auch das Wort „Kuchen“ wurde falsch übersetzt.
In letzter Zeit ist mir dieser Satz wiederholt in politischen Diskussionen begegnet. Umso wichtiger ist es mir, noch einmal genauer hinzuschauen, woher dieser Spruch tatsächlich stammt.
Woher kommt der Satz wirklich?
Jean-Jacques Rousseau schrieb 1765 in seinem Werk Die Bekenntnisse (Les Confessions), das dann 1782 veröffentlicht wurde, diesen Satz:
„Enfin je me rappelai le pis-aller d’une grande princesse à qui l’on disait que les paysans n’avaient pas de pain, et qui répondit: qu’ils mangent de la brioche.“
„Endlich erinnerte ich mich der Ausflucht einer großen Prinzessin, der man sagt, die Bauern hätten kein Brot, und die antwortete: Dann sollen sie Brioche essen!“

Marie-Antoinette kann er somit nicht gemeint haben, denn diese war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 10 Jahre alt.
Vermutet wird allerdings, dass es bei diesem Satz um ein Gerücht handelt, das man sich bereits über die erste Frau von König Ludwig XIV. erzählte.
Ein weiteres Problem, dass ich ich mit diesem vielfach zitierten Satz habe, ist die Übersetzung. Brioche, ein Hefegebäck oder auch Hefebrot, war zu dieser Zeit kein Kuchen. Es enthielt wesentliche weniger Zucker und Butter und es glich mehr unserem heutigen Weißbrot.
Fazit
Marie-Antoinette hat also nie gesagt, dass Volk solle „Kuchen essen“. Das zeigt dass sich auch in der Geschichtsschreibung ein zweiter Blick und kritisches Hinterfragen lohnt.
Dieses Zitat das Marie-Antoinette fälschlicherweise zugeschrieben wird, macht deutlich, wie schnell sich ein Gerücht verselbstständigt. Und wie schwer es ist, es wieder aus der Welt zu schaffen obwohl es historisch längst widerlegt ist.
Wie sagte schon Alfred Polgar:
Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.
Alfred Polgar
ÜBER TINA BAIER: Geschichten finden sich überall: in alten Aufzeichnungen, in der Natur und in den kleinen Momenten des Alltags. Auf diesem Blog geht es um Familiengeschichten, achtsames Leben und die vielen Spuren, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden.
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