Es ist wirklich erstaunlich, wie viele verschiedene Tests es mittlerweile gibt, um die eigene Persönlichkeit zu bestimmen. Ich habe den Selbstversuch gemacht, gleich mehrere davon ausprobiert und mich anschließend kritisch mit den Ergebnissen auseinandergesetzt.
Genauer befasst habe ich mich dann mit Human Design, Astrologie, dem Myers-Briggs-Test und meinem Dosha-Typ im Ayurveda. Aber was sagen diese Tests über mich aus bzw. über meine Art zu bloggen?
Und was hat am Ende der Barnum-Effekt mit all diesen Persönlichkeitstests zu tun?
Human Design: Ich bin ein Manifestor
Human Design teilt Menschen in fünf verschiedene Energietypen ein, denen jeweils bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. Mein Typ ist der Manifestor.
Manifestoren gelten als Menschen, die gerne eigene Ideen entwickeln und damit neue Wege einschlagen. Sie möchten selbst bestimmen, was sie tun und wie sie ihre Vorhaben umsetzen. Unabhängigkeit und Freiraum spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wenn ich das auf meine Arbeit übertrage, finde ich mich da durchaus wieder. Vor allem das mit dem Freiraum kann ich dabei bestätigen. Damals noch im Angestelltenverhältnis fühlte ich mich oft eingeengt bzw. eingeschränkt. Da ist es als Selbstständige schon angenehmer, die Arbeitszeit an die eigene Energie und verfügbare Zeit anzupassen.
Die Strategie des Manifestors ist laut Human Design das Informieren. Es geht dabei nicht darum, andere um Erlaubnis zu bitten, sondern sie über die eigenen Vorhaben in Kenntnis zu setzen. So können sie besser nachvollziehen, was man vorhat, und werden nicht von den eigenen Entscheidungen überrascht.
Auch die Beschreibung, dass Manifestoren eher in Phasen arbeiten und zwischen aktiven Zeiten und Ruhephasen wechseln, kann ich bestätigen. Denn nicht immer lässt sich Kreativität auf Knopfdruck abrufen. Und nicht jede Phase muss gleich produktiv sein.
Mein Profil 3/5: Lernen durch Ausprobieren
Dann gibt es im Human Design noch zwölf verschiedenen Profile, die die verschiedenen Typen noch genauer beschreiben sollen.
Bei mir ist es das 3/5 Profil.
Die dritte Linie steht dabei für das Lernen durch eigene Erfahrungen. Man probiert Dinge aus, macht Fehler, ändert die Herangehensweise und gewinnt gerade dadurch neue Erkenntnisse.
Die fünfte Linie wird mit praktischen Lösungen und der Fähigkeit verbunden, Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Die fünfte Linie soll noch folgendes aussagen: Andere Menschen können Erwartungen an einen herantragen und hoffen, dass man für ihre Probleme eine Lösung findet. Das kann eine Stärke sein, wenn man gern nach praktischen Wegen sucht. Gleichzeitig muss man nicht für alles und jeden eine Antwort parat haben.
Persönlich kann ich mich mit dieser Linie wenig anfreunden. Für mich gehört es zum Leben dazu, aus Fehlern zu lernen. Ganz unabhängig von einem Persönlichkeitstest.
Meine emotionale Autorität: Entscheidungen brauchen Zeit
Im Human Design wird meine innere Autorität als emotional beschrieben. Das bedeutet, dass wichtige Entscheidungen nicht unbedingt sofort getroffen werden sollten. Stattdessen soll man sich Zeit geben, bis sich eine gewisse Klarheit eingestellt hat.
Eine Idee, die einem im ersten Moment begeistert, kann mit etwas Abstand vielleicht ganz anders aussehen. Umgekehrt kann etwas, das zunächst wenig interessant erscheint, später doch an Bedeutung gewinnen.
Auch hier finde ich, dass man wichtige Entscheidung allgemein erst einmal gründlich überdenken sollte. Unabhängig eines Human Design Charts.
Mein Inkarnationskreuz: Das Rechte Kreuz des Regierens 3
Im Human Design gibt es außerdem das sogenannte Inkarnationskreuz. Es soll das übergeordnete Lebensthema eines Menschen beschreiben. Bei mir ist es das Rechte Kreuz des Regierens 3.
Die Beschreibung dazu verbindet das Thema mit Erfahrungen, Erinnerungen, dem Erkennen von Zusammenhängen und dem Umgang mit anderen Menschen. Es geht darum, Erlebtes zu verarbeiten und daraus Erkenntnisse zu gewinnen.
Das spricht mich an, weil ich mich gern mit Hintergründen beschäftige. Mich interessiert nicht nur eine einzelne Information, sondern auch die Geschichte dahinter. Ich möchte Zusammenhänge entdecken und verstehen, wie verschiedene Dinge miteinander verbunden sind.
Das gilt für die Familiengeschichte ebenso wie für andere Themen, denen ich mich widme. Manchmal braucht es auch etwas Abstand, bis sich aus einzelnen Informationen ein größeres Bild ergibt.
Ob das tatsächlich mein übergeordnetes Lebensthema beschreibt, kann ich nicht beurteilen. Als Denkanstoß gefällt mir die Vorstellung aber durchaus.
Astrologie: Mein MC im Schützen
Auch die Astrologie hat eine Vorstellung davon, wie wir arbeiten und welche berufliche Richtung zu uns passen könnte. Dafür wird unter anderem das Medium Coeli, kurz MC, betrachtet.
Mein MC steht im Schützen. In der astrologischen Deutung wird diese Position mit Wissensdurst, Reisen, Neugier, Sinnsuche und dem Wunsch verbunden, den eigenen Horizont zu erweitern.
Der Schütze möchte Zusammenhänge entdecken, Fragen nachgehen und Erkenntnisse weitergeben. Es geht darum, Neues zu lernen und sich nicht auf einen allzu engen Blickwinkel zu beschränken.
Wenn ich diese Beschreibung auf meine Arbeit übertrage, finde ich einige passende Punkte. Ich lese mich gern in neue Themen ein, recherchiere Hintergründe und entwickle daraus eigene Gedanken.
Ob die astrologische Deutung tatsächlich etwas über mich aussagt oder ob ich darin vor allem meine bereits vorhandenen Interessen wiedererkenne, bleibt offen. Auch wenn ich mich mit dem Themenfeld der Astrologie länger befasst habe, bleibt für mich bei all den verschiedenen Häusersystemen nur die Frage, welches das „Richtige“ ist.
Myers-Briggs: Der Advokat INFJ-T
Beim Myers-Briggs-Test kam bei mir der Typ INFJ-T heraus. Dieser wird auch als Advokat bezeichnet.
Dieser Persönlichkeitstyp wird als kreativ, werteorientiert und idealistisch beschrieben. Menschen mit diesem Ergebnis sollen sich gern mit Themen beschäftigen, die für sie eine tiefere Bedeutung haben. Sie möchten mit ihrer Arbeit etwas bewirken und legen Wert darauf, dass das, was sie tun, zu ihren Überzeugungen passt.
Auch die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und sich intensiv mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, wird diesem Typ zugeschrieben.
Ein weiterer Punkt in der Beschreibung betrifft den eigenen Anspruch. INFJ-T-Persönlichkeiten sollen häufig hohe Erwartungen an sich selbst haben und dazu neigen, lange an Dingen zu feilen. Das kann einerseits dazu führen, dass Ergebnisse sehr durchdacht sind. Andererseits kann es auch schwierig werden, etwas irgendwann als fertig zu betrachten.
Interessant finde ich außerdem den Hinweis, dass Selbstvermarktung nicht unbedingt zu den bevorzugten Tätigkeiten gehört. Sich mit einem Thema zu beschäftigen und darüber zu schreiben, ist schließlich etwas anderes, als anschließend dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen davon erfahren.
Einige dieser Beschreibungen kann ich gut nachvollziehen. Vor allem der Wunsch, mich mit Themen zu beschäftigen, die mich wirklich interessieren, und nicht einfach irgendetwas zu veröffentlichen, spricht mich an.
Ayurveda: Mein Dosha-Typ Pitta
Auch einen Dosha-Test aus dem Ayurveda habe ich gemacht. Das Ergebnis: Ich bin ein Pitta-Typ.
Im Ayurveda werden verschiedene Konstitutionstypen unterschieden, denen bestimmte körperliche und charakterliche Eigenschaften zugeschrieben werden.
Laut meinem Testergebnis stehen Pitta-Typen für Klarheit, Konzentrationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Sie können sich gut auf Aufgaben fokussieren, verfolgen ihre Ziele entschlossen und bringen Energie und Begeisterung mit. Auch Führungsqualitäten werden ihnen zugeschrieben.
Wenn ich das auf meine Arbeit übertrage, finde ich vor allem den Gedanken interessant, Dinge zielgerichtet angehen und eigene Vorstellungen verfolgen zu können. Gleichzeitig muss ich nicht jede Aufgabe gleich behandeln oder ständig produktiv sein. Im Testergebnis steht schließlich auch, dass Ruhe und Gelassenheit wichtig für den Ausgleich sind.
Wie viel davon tatsächlich meine Persönlichkeit beschreibt, kann ich aus diesem Test nicht ableiten.
Was sagen diese Persönlichkeitssysteme nun wirklich über mich?
Wenn ich die verschiedenen Ergebnisse nebeneinanderlege, entdecke ich durchaus einige wiederkehrende Themen. Da sind Neugier und Kreativität, der Wunsch, eigene Wege zu gehen, Zusammenhänge zu erkennen und mich mit Dingen zu beschäftigen, die für mich Bedeutung haben.
Manche Beschreibungen passen für mich gut, bei anderen bleibe ich weiterhin skeptisch. Natürlich ist nicht jede Aussage, die in einem Test auftaucht, automatisch eine zutreffende Beschreibung meiner Persönlichkeit. Viele dieser Aussagen sind auch sehr allgemein gehalten und passen auf den Großteil der Menschen.
Ein interessanter psychologischer Effekt ist in diesem Zusammenhang der sogenannte Barnum-Effekt (auch Forer-Effekt). Er beschreibt die Tendenz, allgemein gehaltene Persönlichkeitsbeschreibungen als erstaunlich zutreffend für uns selbst zu empfinden. Wenn eine Beschreibung beispielsweise besagt, dass wir manchmal gern unter Menschen sind, aber auch Zeit für uns brauchen, können sich vermutlich viele darin wiederfinden.
Eine Studie der Universität Wien hat im Jahr 2012 den Barnum-Effekt beim Human Design nachgewiesen. Mehr zum Barnum-Effekt findest du hier.
Ich muss mich also nicht endgültig als Manifestor, Advokat oder Pitta-Typ festlegen. Ich kann einzelne Ideen interessant finden, andere verwerfen und mich trotzdem weiterentwickeln.
Hast du auch schon einmal einen Persönlichkeitstest gemacht? Und hast du dich in deinem Ergebnis wiedererkannt oder eher den Kopf geschüttelt?
Tina Baier schreibt über ein ruhigeres, bewussteres und naturverbundeneres Leben. Seit 2007 erforscht sie ihre Familiengeschichte und fragt sich bis heute, welche Geschichten die Menschen vor uns hinterlassen haben. Auf ihrem Blog nimmt sie dich mit auf diese Spurensuche: zu den Vorfahren, in die Natur und zu einem achtsameren Alltag.
Mehr über mich erfährst du hier.