Warum ich mich lange nicht getraut habe, über die emotionale Seite der Ahnenforschung zu schreiben

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Ein Stapel alter Briefe auf einem Holztisch. Ahnenheilung

Ahnenforschung bedeutet für mich, mehr über meine Vorfahren und ihre Lebensumstände herauszufinden. Doch irgendwann begann ich mich zu fragen, ob unsere Familiengeschichte nicht auch Einfluss darauf hat, wie wir heute leben, denken und handeln.

Bei meiner Beschäftigung mit diesem Thema stieß ich auf den Begriff Ahnenheilung. Anfangs war ich skeptisch. War das nicht einfach nur ein neuer Hype? Ein stark esoterisches Thema, das mit richtiger Familienforschung wenig zu tun hat?

Mit diesen Fragen habe ich mich lange beschäftigt. Öffentlich darüber gesprochen habe ich bisher allerdings nicht.

Worüber ich nicht geredet habe: Ahnenheilung

Lange Zeit habe ich das Thema Ahnenheilung für mich behalten. Nicht, weil ich schlechte Erfahrungen damit gemacht hätte, sondern weil ich selbst Zweifel daran hatte, ob dieses Thema überhaupt zur Ahnenforschung passt.

Vor allem der Begriff Ahnenheilung machte mich skeptisch. Was sollte da eigentlich geheilt werden? Und war das nicht vielleicht nur ein neuer Hype, bei dem Menschen etwas versprochen wird, das sich wissenschaftlich gar nicht belegen lässt?

Ich wollte mich nicht mit einem Thema beschäftigen, das möglicherweise falsche Heilversprechen macht. Gleichzeitig hatte ich die Befürchtung, dass andere mich nicht mehr ernst nehmen könnten, wenn ich öffentlich darüber schreibe.

Also habe ich mich zunächst zurückgehalten. Zwar habe ich inzwischen einige Artikel über Ahnenarbeit veröffentlicht, doch richtig tiefer in das Thema einzusteigen, habe ich mich bisher nicht getraut.

Warum ich dachte, Ahnenheilung sei unprofessionell

Für mich gehörten zur Familienforschung vor allem historische Quellen, Kirchenbücher, Standesamtsunterlagen und andere Dokumente, mit denen sich die Lebensgeschichten unserer Vorfahren nachvollziehen lassen. Was sich nicht belegen ließ, betrachtete ich zunächst mit Skepsis.

Bei der Ahnenheilung war ich mir deshalb lange unsicher. Ich fragte mich, wie wissenschaftlich fundiert die Vorstellungen dahinter tatsächlich sind. Können Erfahrungen und Traumata früherer Generationen unser heutiges Leben beeinflussen? Und wo endet die wissenschaftliche Forschung, wo beginnen persönliche Deutungen?

Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass sich durch die Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte automatisch persönliche Probleme lösen lassen.

Dabei war es vor allem meine eigene Vorstellung davon, die mich zurückhielt, mich weiter damit zu befassen.

Wie sich mein Blick auf die Ahnenheilung verändert hat

Mein Blick auf das Thema hat sich nicht von heute auf morgen verändert. Es waren vor allem Bücher, die mich dazu gebracht haben, mich intensiver mit meiner eigenen Geschichte und meiner Herkunft auseinanderzusetzen.

Den Anfang machte für mich „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés. Das Buch hat mich dazu gebracht, meine eigenen Beziehungen, meine Wahrnehmung und gesellschaftliche Prägungen neu zu hinterfragen. Ich begann, Muster zu erkennen, die mir vorher nicht so bewusst gewesen waren.

Später las ich „Die verborgenen Kräfte unserer Ahnen“ von Christiane Leicher und „Du bist die Antwort auf all deine Fragen“ von Kaja Andrea Otto. Auch die Vorträge von Evgenia Fuchs Rollheiser zum Thema transgenerationales Erbe auf der Genealogica in den vergangenen beiden Jahren haben dazu beigetragen, dass ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe.

Dabei begann ich, meine eigene Familiengeschichte anders zu betrachten. Mich interessierten nicht mehr nur Namen, Daten und Orte, sondern auch die Lebensumstände meiner Vorfahren. Was hatten sie erlebt? Welche Erfahrungen hatten sie geprägt? Und welche Verhaltensweisen oder Vorstellungen wurden möglicherweise innerhalb der Familie, auch an mich, weitergegeben?

Meine anfänglichen Zweifel an der Ahnenheilung sind dadurch allmählich verschwunden. Nur mit dem Wort Ahnenheilung kann ich mich immer noch nicht anfreunden.

Inzwischen bin ich der Meinung, dass auch die emotionale Seite ihren Platz in der Ahnenforschung haben darf. Nicht alles, was uns bei der Beschäftigung mit unserer Familiengeschichte bewegt, lässt sich anhand historischer Dokumente beantworten.

Was das für dich heißt

Vielleicht hast du dich bei deiner eigenen Ahnenforschung auch schon einmal gefragt, ob bestimmte Verhaltensweisen, Ängste oder Vorstellungen innerhalb deiner Familie über Generationen hinweg weitergegeben wurden.

Nicht auf jede dieser Fragen wirst du eine Antwort finden. Und nicht alles, was du bei der Beschäftigung mit deiner Familiengeschichte entdeckst, lässt sich eindeutig mit deinem eigenen Leben in Verbindung bringen.

Trotzdem kann es sich lohnen, genauer hinzusehen. Welche Lebensumstände haben deine Vorfahren geprägt? Welche Entscheidungen mussten sie treffen? Und welche Geschichten wurden innerhalb deiner Familie vielleicht nie erzählt?

Für mich bedeutet Ahnenforschung inzwischen mehr, als Namen und Daten zu sammeln. Ich möchte auch die Menschen hinter diesen Daten besser verstehen.

Dabei muss ich nicht auf jede Frage eine Antwort haben. Manchmal reicht es schon, die eigene Familiengeschichte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Interessieren dich solche Gedanken zur Ahnenforschung?

Von Tina Baier

ÜBER TINA BAIER: Geschichten finden sich überall: in alten Aufzeichnungen, in der Natur und in den kleinen Momenten des Alltags. Auf diesem Blog geht es um Familiengeschichten, achtsames Leben und die vielen Spuren, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden. Mehr über mich erfährst du hier.

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