Wenn du anfängst, deine Familiengeschichte zu erforschen, stolperst du schnell über zwei Begriffe: Stammbaum und Ahnentafel. Viele verwenden sie synonym – doch das ist ein Fehler. Denn beide zeigen völlig unterschiedliche Sichtweisen auf deine Familie.
In diesem Artikel erkläre ich dir, was ein Stammbaum und eine Ahnentafel sind, wofür du sie brauchst und wie du am besten startest.
Stammbaum vs Ahnentafel – die wichtigsten Unterschiede
Stammbaum
– Verzweigt wie ein Baum, zeigt alle Nachkommen
– Enthält Kinder, Enkel, Geschwister, Cousins und Ehepartner
– Wächst von den Vorfahren nach unten
– Ideal für Familienchroniken, Feste oder große Übersicht
– Zeigt die ganze Familienbreite und Geschichten
Ahnentafel
– Lineare Darstellung, nur direkte Vorfahren
– Enthält Eltern, Großeltern, Urgroßeltern (keine Seitenlinien)
– Wächst von dir nach oben
– Perfekt für systematische Forschung und genealogische Nachweise
– Zeigt klar die Abstammungslinie
Tipp:
Starte mit der Ahnentafel, um deine Wurzeln zu kennen
Ergänze den Stammbaum, um die ganze Familiengeschichte zu sehen
Was ist ein Stammbaum?
Ein Stammbaum ist eine grafische Darstellung, die zeigt, wie eine Familie sich über Generationen hinweg verzweigt hat.
Stell dir einen echten Baum vor: Der Stamm ist dein Vorfahre (z.B. dein Urgroßvater). Von ihm gehen Äste ab – seine Kinder. Von diesen Ästen wieder neue Äste – die Enkel. Und so weiter.
Was zeigt ein Stammbaum?
- Alle Nachkommen einer Person oder eines Paares
- Geschwister, Cousins, Tanten, Onkel
- Ehepartner und deren Familien
- Die gesamte Breite und Verzweigung einer Familie
Beispiel:
Du erstellst einen Stammbaum für deinen Urgroßvater. Du trägst ein: seine Frau, seine 5 Kinder, deren Ehepartner, deren Kinder (deine Großeltern-Generation und deren Geschwister), und so weiter. Am Ende hast du ein großes, verzweigtes Bild der gesamten Familie.
Ein Stammbaum wächst nach unten von den Vorfahren zu den Nachkommen.

Was ist eine Ahnentafel?
Eine Ahnentafel macht genau das Gegenteil: Sie geht rückwärts.
Sie zeigt nicht, wer von deinem Urgroßvater abstammt, sondern von wem du abstammst. Sie listet nur deine direkten Vorfahren auf – keine Geschwister, keine Cousins, keine Seitenlinien.
Was zeigt eine Ahnentafel?
- Nur deine direkten Vorfahren
- Deine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw.
- Eine klare, lineare Struktur
- Oft nummeriert nach dem Kekulé-System (du = 1, Vater = 2, Mutter = 3, usw.)
Beispiel:
Du bist der Ausgangspunkt (die „Probandenperson“). Du trägst ein: deine Mutter, deinen Vater. Dann deren Eltern (4 Großeltern). Dann deren Eltern (8 Urgroßeltern). Und so weiter.
Eine Ahnentafel wächst nach oben (oder nach links) – von dir zu deinen Wurzeln.
Wichtig: Eine Ahnentafel zeigt NICHT die Geschwister deiner Großeltern oder die Cousins deines Vaters. Nur die direkte Linie.

Was bringt ein Stammbaum? Was ist der Effekt?
Ein Stammbaum gibt dir den Überblick über die gesamte Familie.
Das bringt er dir:
- Du siehst Verbindungen: Wer ist mit wem verwandt? Welche Familienzweige gibt es?
- Du entdeckst Geschichten: Oft findest du interessante Persönlichkeiten in Seitenlinien – der Onkel, der ausgewandert ist, die Tante, die ein Geschäft hatte.
- Du schaffst Zusammenhalt: Ein Stammbaum ist perfekt für Familienfeste, Chroniken oder als Wandschmuck.
- Du verstehst Muster: Berufswahl, Migrationen, Familiendynamiken – all das wird sichtbar.
Ein Stammbaum ist wie ein Panoramablick auf deine Familie.
Was bringt eine Ahnentafel? Was ist der Effekt?
Eine Ahnentafel gibt dir Klarheit über deine direkte Herkunft.
Das bringt sie dir:
- Struktur: Du weißt genau, wer deine direkten Vorfahren sind
- Forschungsgrundlage: Viele Familienforscher starten mit einer Ahnentafel, weil sie übersichtlich und systematisch ist.
- Genealogische Nachweise: Für offizielle Dokumente (z.B. Staatsangehörigkeit, Erbschaften) brauchst du oft nur die direkte Linie.
- Selbsterkenntnis: Du siehst klar, von wem du abstammst.
Eine Ahnentafel ist also eine Art Zoom auf deine Wurzeln.
Stammbaum vs Ahnentafel: Wann nutzt man welches Werkzeug?
Der Stammbaum
Ein Stammbaum ist perfekt, wenn du:
- Die gesamte Familie erfassen willst
- Für ein Familienfest oder eine Chronik recherchierst
- Verstehen willst, wie verschiedene Familienzweige zusammenhängen
- Seitenlinien (Geschwister deiner Großeltern, Cousins etc.) erforschen möchtest
- Ein großes, visuelles Bild deiner Familie erstellen willst
Die Ahnentafel
Eine Ahnentafel ist perfekt, wenn du:
- Gerade erst anfängst mit Ahnenforschung
- Deine direkte Abstammung klären willst
- Strukturiert und systematisch arbeiten möchtest
- Nachweise für offizielle Zwecke brauchst
- Die Mutterlinie oder Vaterlinie gezielt verfolgen willst
Wann nutze ich was? Ein Anwendungsleitfaden
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht entscheiden! Beide ergänzen sich perfekt.
Mein Tipp: So gehst du vor
1. Starte mit einer Ahnentafel
Beginne bei dir selbst. Trage deine Eltern ein. Dann deine Großeltern. Dann deine Urgroßeltern. So bekommst du eine klare Struktur und weißt, wo du stehst.
2. Erweitere zu einem Stammbaum
Sobald du deine direkten Vorfahren kennst, kannst du anfangen, die Seitenlinien zu erforschen: Geschwister, Tanten, Onkel, Cousins. So entsteht nach und nach ein umfassendes Familienbild.
3. Nutze beide parallel
Viele Familienforscher führen beides: Eine Ahnentafel für die Übersicht der direkten Linie – und einen Stammbaum für alle Verwandten.
Erste Schritte für deine Familienforschung
Du möchtest anfangen? Hier sind meine konkreten Tipps:
1. Sammle Informationen
Beginne damit, Namen, Geburts- und Sterbedaten sowie Wohnorte von Verwandten zu notieren. Frag in der Familie nach, schau in alte Dokumente, Fotoalben, Urkunden.
2. Sprich mit den Ältesten
Deine Großeltern, Urgroßtanten, ältere Cousins – sie sind lebende Archive. Hör zu, mach Notizen, nimm auf (mit Erlaubnis).
3. Nutze digitale Werkzeuge
Plattformen wie Ancestry, MyHeritage oder FamilySearch können dir helfen, deine Daten zu organisieren. Auch kostenlose Programme wie Ahnenblatt oder Gramps sind super für den Einstieg.
4. Starte einfach
Erstelle zunächst eine einfache Ahnentafel auf Papier oder digital. Trage ein, was du weißt. Lass Lücken – die füllst du nach und nach.
5. Erweitere Schritt für Schritt
Sobald deine Ahnentafel steht, kannst du anfangen, Seitenlinien zu erforschen und einen Stammbaum aufzubauen.
5 Gründe, warum ich dir beide empfehle
- Du bekommst zwei Perspektiven: Die Ahnentafel zeigt, woher du kommst. Der Stammbaum zeigt, wohin deine Familie sich entwickelt hat.
- Du verlierst dich nicht: Eine Ahnentafel gibt dir Struktur. Ein Stammbaum gibt dir Freiheit zu erforschen.
- Du verstehst mehr: Manche Geschichten finden sich in Seitenlinien (Stammbaum), manche in der direkten Linie (Ahnentafel).
- Du kannst beides nutzen: Für offizielle Zwecke die Ahnentafel, für Familienfeste den Stammbaum.
- Du wirst flexibler: Je nachdem, was du gerade erforscht, wechselst du zwischen beiden.
Fazit: Stammbaum UND Ahnentafel – zwei Werkzeuge, ein Ziel
Ob Stammbaum oder Ahnentafel – beide sind wertvolle Werkzeuge, um deine Familiengeschichte zu erforschen und zu verstehen.
Der Stammbaum liefert dir einen breiten Überblick über deine gesamte Familie mit all ihren Verzweigungen und Geschichten.
Die Ahnentafel zeigt dir deine direkte Abstammungslinie – klar, strukturiert und fokussiert.
Sie sind keine Konkurrenz, sondern perfekte Partner. Zusammen geben sie dir einen umfassenden Einblick in deine Herkunft.
Mein Tipp: Starte mit einer Ahnentafel, erweitere zu einem Stammbaum und lass dich überraschen, welche Geschichten du entdeckst!

ÜBER MICH: Seit über 20 Jahren erforsche ich meine Familiengeschichte. Was als einfache Neugier begann, ist zu einer Leidenschaft geworden, die mich bis heute begleitet. Auf meinem Blog möchte ich dir zeigen, wie du mit einfachen Werkzeugen selbst auf die Reise zu deinen Wurzeln gehen kannst.
Mehr über mich erfährst du hier.
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