Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Veränderungen. Körperlich, emotional und natürlich auch ernährungstechnisch. Vielleicht hast du schon viele unterschiedliche Ratschläge gehört: „Iss für zwei“, „Verzichte auf alles Rohe“ oder „Du brauchst jetzt doppelt so viele Vitamine“. Doch was davon stimmt wirklich?
Eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft spielt eine entscheidende Rolle für deine Gesundheit und die Entwicklung deines Babys. In diesem Artikel erfährst du, welche Nährstoffe jetzt besonders wichtig sind, welche Lebensmittel du besser meiden solltest und wie du dich entspannt, ausgewogen und alltagstauglich ernährst.
Ernährung in der Schwangerschaft: das Wichtigste auf einen Blick
– Du musst nicht für zwei essen: die Qualität der Lebensmittel ist entscheidend.
– Dein Kalorienbedarf steigt erst ab dem 2. Trimester leicht an.
– Besonders wichtige Nährstoffe sind Folsäure, Eisen, Jod, Calcium, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D.
– Rohes Fleisch, roher Fisch, Rohmilchprodukte und Alkohol solltest du konsequent meiden.
– Eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung unterstützt die gesunde Entwicklung deines Babys und dein eigenes Wohlbefinden.
– Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, sollten aber immer individuell mit deinem Arzt abgestimmt werden.
Warum die Ernährung in der Schwangerschaft so entscheidend ist
Während der Schwangerschaft vollbringt dein Körper Höchstleistungen. Er versorgt nicht nur dich selbst, sondern auch ein neues Leben, das in dir heranwächst. Die Nährstoffe, die du über die Nahrung aufnimmst, sind die Bausteine für die Entwicklung deines Babys – von der Zellteilung über die Organbildung bis hin zum Wachstum von Knochen und Gehirn.
Eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft kann:
- Die gesunde Entwicklung des Babys fördern
- Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit und Verstopfung lindern
- Das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und übermäßige Gewichtszunahme reduzieren
- Deine Energie und dein Wohlbefinden steigern
- Die Grundlage für eine gute Stillzeit legen
Ernährung in der Schwangerschaft: Wie viele Kalorien brauchst du wirklich?
Die weitverbreitete Annahme, Schwangere müssten für zwei essen, ist ein weit verbreiteter Mythos. Tatsächlich steigt dein Kalorienbedarf erst ab dem zweiten Trimester – und auch dann nur ganz leicht.
Der tatsächliche Mehrbedarf:
- Trimester: Kein zusätzlicher Kalorienbedarf
- Trimester: Etwa 250 zusätzliche Kalorien pro Tag (entspricht etwa einem Vollkornbrot mit Käse
- Trimester: Etwa 500 zusätzliche Kalorien pro Tag (beispielsweise eine Portion Müsli mit Obst und Joghurt)
Wichtiger als die Kalorienmenge ist allerdings die Qualität der Nahrung. Dein Körper benötigt jetzt deutlich mehr bestimmte Nährstoffe, während der Energiebedarf nur geringfügig steigt. Es geht also nicht um „mehr essen“, sondern um „klüger essen“.
Die wichtigsten Nährstoffe für eine gesunde Schwangerschaft
Folsäure (Folat)
Folsäure ist besonders in den ersten Schwangerschaftswochen entscheidend, da sie eine zentrale Rolle bei der Zellteilung und der Entwicklung des Neuralrohrs spielt. Ein Mangel kann zu Neuralrohrdefekten beim Baby führen.
Empfohlene Zufuhr: 550 µg pro Tag (zusätzlich zur normalen Ernährung wird eine Supplementierung von 400 µg empfohlen)
Gute Quellen: Grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl), Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Brokkoli, Orangen
Tipp: Idealerweise beginnst du bereits vor der Schwangerschaft mit der Folsäure-Supplementierung.
Eisen
Dein Blutvolumen erhöht sich während der Schwangerschaft um etwa 40 Prozent. Entsprechend steigt auch dein Eisenbedarf, um sowohl dich als auch dein Baby ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
Empfohlene Zufuhr: 30 mg pro Tag (doppelt so viel wie vor der Schwangerschaft)
Gute Quellen: Rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, grünes Blattgemüse, Nüsse und Samen
Diese empfohlene Menge kann manchmal alleine über die Ernährung nicht abgedeckt werden. Ob eine Supplementierung nötig ist, hängt von deinen Blutwerten ab und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Tipp: Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme. Kombiniere eisenreiche Lebensmittel mit Paprika, Orangen oder Beeren. Vermeide hingegen Kaffee oder schwarzen Tee direkt zu den Mahlzeiten, da diese die Eisenaufnahme hemmen.
Calcium
Calcium ist essentiell für den Aufbau von Knochen und Zähnen deines Babys. Falls du nicht genug Calcium über die Nahrung aufnimmst, bedient sich dein Baby an deinen eigenen Calciumreserven.
Empfohlene Zufuhr: 1.000 mg pro Tag
Gute Quellen: Milchprodukte, angereicherte Pflanzenmilch, grünes Gemüse (Brokkoli, Grünkohl), Mandeln, Sesam, calciumreiches Mineralwasser
Jod
Jod ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion und die Gehirnentwicklung des Babys. Deutschland gilt mittlerweile wieder als Jodmangelgebiet, weshalb eine Supplementierung häufig empfohlen wird.
Empfohlene Zufuhr: 230 µg pro Tag
Gute Quellen: Jodiertes Speisesalz, Seefisch, Milchprodukte, Eier
Wichtig: Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über eine mögliche Jod-Supplementierung, besonders wenn du eine Schilddrüsenerkrankung hast.
Omega-3-Fettsäuren (DHA)
Die Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) ist wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Augen des Babys, besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel.
Empfohlene Zufuhr: Mindestens 200 mg DHA pro Tag
Gute Quellen: Fettreiche Seefische (Lachs, Makrele, Hering), Walnüsse, Leinsamen, Chiasamen, angereicherte Eier
Pflanzliche Omega-3-Quellen wie Walnüsse, Leinsamen oder Chiasamen liefern vor allem ALA. Diese Fettsäure kann vom Körper nur begrenzt in DHA umgewandelt werden, weshalb eine gezielte DHA-Zufuhr in der Schwangerschaft besonders wichtig ist.
Hinweis: Achte bei Fisch auf quecksilberarme Sorten und vermeide Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Hai.
Vitamin D
Vitamin D unterstützt die Calciumaufnahme und das Immunsystem. Da wir es hauptsächlich über Sonneneinstrahlung bilden, leiden viele Menschen in unseren Breitengraden an einem Mangel.
Empfohlene Zufuhr: 20 µg (800 IE) pro Tag
Gute Quellen: Fettreiche Fische, Eigelb, angereicherte Lebensmittel, Sonnenlicht
Tipp: Eine Supplementierung wird häufig empfohlen, besonders in den Wintermonaten. Die tatsächliche Dosierung ist individuell verschieden und sollte idealerweise anhand eines Bluttests bestimmt werden und immer mit dem Arzt abgesprochen werden.
Lebensmittel, die du meiden solltest
Während der Schwangerschaft solltest du bestimmte Lebensmittel meiden, um das Risiko von Infektionen und Schadstoffen zu minimieren:
Rohes oder unzureichend gegartes Fleisch und Fisch
- Rohes Fleisch (Mett, Carpaccio, Tatar)
- Rohe Wurstwaren (Salami, roher Schinken, Teewurst)
- Roher oder geräucherter Fisch (Sushi mit rohem Fisch, Räucherlachs)
- Rohe Meeresfrüchte (Austern, rohe Muscheln)
Grund: Risiko einer Toxoplasmose- oder Listeriose-Infektion
Rohmilchprodukte und bestimmte Käsesorten
- Rohmilch und Rohmilchkäse
- Weichkäse mit Oberflächenschmierung (Camembert, Brie)
- Blauschimmelkäse (Gorgonzola, Roquefort)
Tipp: Hartkäse wie Parmesan, Gouda oder Emmentaler sind unbedenklich, auch wenn sie aus Rohmilch hergestellt wurden.
Rohe oder weichgekochte Eier
- Rohe Eier in Speisen (Tiramisu, selbstgemachte Mayonnaise)
- Weichgekochte Eier mit flüssigem Eigelb
Grund: Salmonellengefahr
Innereien
- Besonders Leber sollte im ersten Trimester vermieden werden
Grund: Sehr hoher Vitamin-A-Gehalt, der in großen Mengen schädlich sein kann
Alkohol, Koffein und bestimmte Kräuter
- Alkohol: Komplett meiden
- Koffein: Maximal 200 mg pro Tag (etwa 2 Tassen Kaffee)
- Bestimmte Kräuter (u. a. Salbei, Rosmarin, Eisenkraut, Johanniskraut, Brennnessel)
Ernährung nach Trimester: Was dein Körper wann braucht
Erstes Trimester: Übelkeit bewältigen, Grundlagen legen
Viele Frauen kämpfen in den ersten Wochen mit Übelkeit und Erbrechen. Mach dir keine Sorgen, wenn du in dieser Zeit nicht optimal essen kannst – dein Baby ist noch sehr klein und kommt mit wenig aus.
Tipps bei Übelkeit:
- Iss mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer
- Trockene Lebensmittel wie Zwieback oder Knäckebrot können helfen
- Ingwertee kann Übelkeit lindern
- Vermeide stark riechende oder fettige Speisen
- Trink ausreichend, besonders wenn du erbrechen musst
Nährstoff-Fokus: Folsäure ist jetzt besonders wichtig!
Zweites Trimester: Energie tanken, bewusst nähren
Die Übelkeit lässt meist nach und der Appetit kehrt zurück. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um auf eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung zu achten.
Ernährungstipps:
- Integriere eisenreiche Lebensmittel in deinen Speiseplan
- Achte auf ausreichend Protein für das Wachstum des Babys
- Genieße die Zeit, in der du dich meist am besten fühlst
- Beginne mit leichter Bewegung, die den Stoffwechsel unterstützt
Nährstoff-Fokus: Eisen, Protein, Calcium
Drittes Trimester: Vorbereitung auf die Geburt
Der Energiebedarf ist jetzt am höchsten. Gleichzeitig drückt das Baby auf den Magen, was große Mahlzeiten erschwert.
Ernährungstipps:
- Iss mehrere kleine, nährstoffreiche Mahlzeiten
- Achte auf ballaststoffreiche Kost gegen Verstopfung
- Omega-3-Fettsäuren sind jetzt besonders wichtig für die Gehirnentwicklung
- Reduziere salzige Lebensmittel bei Wassereinlagerungen
- Trink ausreichend Wasser
Nährstoff-Fokus: Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe, Eisen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Viele Schwangere sind unsicher bei Käse. Erlaubt sind pasteurisierte Milchprodukte und Hartkäse. Weichkäse aus Rohmilch sowie Käse mit Edelschimmel sollten vermieden werden.
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, hochwertigen Proteinen und gesunden Fetten liefert wichtige Nährstoffe wie Folsäure, Eisen, Calcium und Omega-3-Fettsäuren.
Mindestens 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag sind empfehlenswert. Wasser, ungesüßte Kräutertees (z.B. Kamille) und stark verdünnte Fruchtsäfte sind ideal, besonders bei Hitze oder körperlicher Aktivität.
Sushi mit rohem Fisch solltest du meiden. Vegetarisches Sushi oder Sushi mit gekochtem Fisch, zum Beispiel mit gebratenem Lachs, Garnelen oder Surimi, ist in der Schwangerschaft erlaubt.
Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, fettarme Speisen und der Verzicht auf sehr scharfes Essen können helfen. Auch Haferflocken, Mandeln oder ein Glas Milch lindern Sodbrennen oft.
Folsäure wird grundsätzlich empfohlen, häufig auch Jod und Vitamin D. Ob weitere Supplemente notwendig sind, hängt von deiner Ernährung und deinen Blutwerten ab und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Gelegentliches Fastfood ist in Ordnung, solange es gut durchgegart ist. Es sollte jedoch nicht den Großteil deiner Ernährung ausmachen, da es oft viel Salz, Fett und wenig Mikronährstoffe enthält.
Ja, in moderaten Mengen. Bis zu 200 mg Koffein pro Tag gelten als unbedenklich. Das entspricht etwa zwei Tassen Filterkaffee.
Gezielte Diäten oder starkes Kaloriendefizit sind nicht empfehlenswert. Der Fokus sollte auf einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung liegen.
Praktische Tipps für den Alltag
Meal Prep kann dein bester Freund sein
Bereite an einem Tag gesunde Mahlzeiten für die kommende Woche vor. So hast du immer etwas Nahrhaftes griffbereit, auch wenn du müde bist.
Snacks clever wählen
Halte gesunde Snacks bereit: Nüsse, Obst, Vollkorncracker mit Hummus, Gemüsesticks, Joghurt mit Beeren.
Hör auf deinen Körper
Gelüste können auch ein Zeichen für Nährstoffmängel sein. Wenn du ständig Lust auf Schokolade hast, könnte das auf einen Magnesiummangel hinweisen. Versuche, gesündere Alternativen zu finden.
Koche Lebensmittel gründlich
Erhitze Fleisch, Fisch und Eier auf mindestens 70°C im Inneren. Wasche Obst und Gemüse gründlich.
Supplementierung sinnvoll einsetzen
Folsäure und Jod werden in der Regel supplementiert. Andere Nährstoffe solltest du nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ergänzen.
Vegetarische und vegane Ernährung in der Schwangerschaft
Eine vegetarische Ernährung ist in der Schwangerschaft gut möglich, erfordert aber besondere Aufmerksamkeit bei Eisen, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren.
Bei veganer Ernährung ist eine sorgfältige Planung und meist eine Supplementierung mehrerer Nährstoffe notwendig:
- Vitamin B12 (zwingend erforderlich)
- Vitamin D
- Omega-3-Fettsäuren (DHA)
- Eisen
- Calcium
- Jod
- Zink
Wichtig: Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft sollte idealerweise engmaschig ärztlich oder ernährungsfachlich begleitet werden.
Gewichtszunahme: Was ist normal?
Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist individuell unterschiedlich und hängt vom Ausgangsgewicht ab.
Richtwerte bei normalem BMI vor der Schwangerschaft:
- Gewichtszunahme im 1. Trimester: 1 bis 2 kg
- Im 2. Trimester: etwa 5 bis 7 kg
- Im 3. Trimester: etwa 4 bis 6 kg
- Gesamte empfohlene Gewichtszunahme: 11 – 16 kg
Bei Untergewicht darf die Zunahme höher sein (12-18 kg), bei Übergewicht sollte sie geringer ausfallen (7-11 kg).
Wichtig: Die Qualität der Ernährung ist wichtiger als die Zahl auf der Waage. Konzentriere dich auf nährstoffreiche Lebensmittel, nicht auf Kalorienzählen.
Fazit: Entspannt und bewusst genießen
Eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft muss nicht kompliziert sein. Die Grundregeln sind einfach: Iss abwechslungsreich, setze auf frische, vollwertige Lebensmittel, meide rohe tierische Produkte und hör auf deinen Körper.
Perfektion ist nicht das Ziel. Auch wenn du nicht jeden Tag optimal isst, wird dein Baby mit allem versorgt, was es braucht. Dein Körper ist darauf ausgelegt, neues Leben zu schaffen, und er macht das erstaunlich gut.
Genieße diese besondere Zeit, hör auf deine Bedürfnisse, und vergiss nicht: Eine entspannte, glückliche Mutter ist genauso wichtig wie jede Nährstoffbilanz. Bei Unsicherheiten oder Fragen wende dich vertrauensvoll an deine Hebamme, deine Frauenärztin oder einen Ernährungsberater mit Schwerpunkt Schwangerschaft.
Deine Schwangerschaft ist einzigartig und deine Ernährung darf es auch sein!
Hinweis
Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Der Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft kann je nach Vorerkrankungen, Ernährungsform und Blutwerten variieren. Besprich Supplemente und größere Ernährungsumstellungen immer mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt.

ÜBER MICH: Seit über 20 Jahren erforsche ich meine Familiengeschichte. Was als einfache Neugier begann, ist zu einer Leidenschaft geworden, die mich bis heute begleitet. Auf meinem Blog möchte ich dir zeigen, wie du mit einfachen Werkzeugen selbst auf die Reise zu deinen Wurzeln gehen kannst.
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